Alkoholsucht nüchtern betrachtet

  vom 20.03. 2018

Dem Thema „Angehörige in der Suchtselbsthilfe“ widmete sich der Schwerpunktvortrag von Sonja Egger beim Infotag der Kreuzbundgruppe Staufen im Pidinger Pfarrsaal am Samstag. Dazu eingeladen hatte Gruppenleiter Manfred Hirtes, der zugleich Regionalsprecher Ost im Diözesanverband München und Freising und damit für 33 Gruppen in 3 Landkreisen zuständig ist.

Kreuzbund-Geschäftsführerin Sonja Egger aus Stephanskirchen stellte sich als „Angehörige,Betroffene und als Kind in einer Suchtfamilie“ vor. Die verglich ein Familiengeflecht mit einem Mobile, bei dem alle miteinander verbunden seien. Verändere ein Mitglied seine Position, gerieten alle anderen auch in Bewegung, im schlimmsten Fall ins Durcheinander. Angehörige von Suchtkranken übernähmen oft verschiedene Lebensbereiche und die Verantwortung, sie versuchten den Suchtkranken zu schützen, dies gehe manchmal bis zur Selbstaufgabe. Das Leben mit dem Suchtkranken sei einLeben mit extremen Stimmungsschwankungen, lieblosem und aggressiven Verhalten sowie Geldsorgen. „Angehörige von Suchtkranken benötigen Hilfe“, betonte Egger. „Um die Krankheit der Abhängigen zu verstehen, und um sich selbst zu schützen“. Zwar gebe es inzwischen Angebote, doch würden Krankenkassen und Rentenversicherungsträger zu wenig Geld dafür ausgeben. Der Kreuzbund bietet seit einigen Jahren gemischte Gruppen und Angehörigengruppen an. Die Mitglieder tauschten in einem geschützen Raum Erfahrungen und Informationen aus. In der Selbsthilfegruppe fänden sie Akzeptanz, Verständnis und Rückmeldungen. An Kinder und Jugendliche nicht sich die Selbsthilfegruppe für Angehörige nicht. Diese gehörten bei Bedarf in die Hände von Fachleuten. Und:“Von starken Eltern profitieren die Kinder am meisten“, betonte Egger.

Am Ende ihrer Ausführungen stellte sie noch das von ihr mitentwickelte neue „Kreuzbundentlastungstraining für Angehörige“ vor, das im Februar das erste mal stattgefunden und positive Rückmeldungen erhalten habe. Der nächste Kurs finde nächstes Jahr statt.

Nach einer Pause brachte Hannes Buchwinkler vom „Alkoholsportbund Bayern (ASBB)“ Texte aus dem Buch „Kinderdressur2 von Gerhard Polt auf die „Sportart“ Alkoholtrinken umgemünzt. Er blickte auf seine „Alkoholsportkarriere“ zurück, berichtete zum Beispiel vom Oktoberfestbesuch mit 14 „Maßen“ und davon, dass er , um o,8 Promille zu erreichen, drei Tage keinen Alkohol trinken dürfe. Sein Sohn wollte professioneller Kampftrinker werden. „Wichtig ist, dass man die Sache nüchtern angeht, ohne vorglühen“, fuhr Buchwinkler spaßig fort. Gerade dieser Beitrag zeigte, dass die Mitglieder des Kreuzbundes offen mit ihrer Alkoholkrankheit umgehen.

Anschließend ehrten Kellermann und Hirtes drei Mitglieder für zehnjährige Mitgliedschaft: Anton Häusler aus Obing, Sebastian Mayer aus Schnaitsee und Rita Flatscher aus Traunreut.

tw

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