20 Jahre Kreuzbund Freilassing

Gruppenleiterin Eveline Stronk mit den Gratulanten Bürgermeister Josef Flatscher, Diözesanverbands-Vorsitzendem Franz Kellermann, Regionalsprecher Ost Manfred Hirtes, Polizei-Suchtberater Gerhard Haberzett und dem Leiter der Caritas-Fachambulanz Raphael Koller (von links)

Festlich geschmückt war der Rathaussaal für ein besonderes Jubiläum. Die  Kreuzbundgruppe Freilassing 1 St. Rupert feierte ihr 20-jähriges Bestehen, und viele Gäste aus nah und fern folgten der Einla- dung von Gruppenleiterin Eveline Stronk. Bürgermeister Josef Flatscher würdigte in einem Grußwort die Selbsthilfegemeinschaft für Suchtkranke mit Schwerpunkt Alkohol, die eine äußerst intensive Arbeit mit Menschen leiste. Der Vorsitzende des Kreuzbund-Diözesanverbands München und Freising, Franz Kellermann, und der Leiter der Caritas-Fachambulanz für Suchterkrankungen, Raphael Koller, hoben die Bedeutung der Gruppenarbeit im Kampf gegen die Sucht hervor. Dass eine Abhängigkeit jeden treffen kann, auch Polizisten, machte der Suchtberater der Polizei, Gerhard Haberzett, in seinem Referat deutlich.

Aus dem gesamten südbayerischen Raum kamen die Besucher der Jubiläumsfeier. Viele hatten Kuchen und Torten mitgebracht für den anschließenden gemütlichen Teil. Rund 60 Gäste konnte die Freilassinger Gruppenleiterin Eveline Stronk begrüßen, darunter sogar eine Dame aus Phönix/Arizona, die mit einer Gruppe aus Wasserburg kam. Sie bedankte sich bei ihren Helfern und auch bei der Caritas für die fruchtbare Zusammenarbeit.

In ihrem Rückblick nannte sie den 2. September 1992 als offizielles Gründungsdatum der Kreuzbundgruppe Freilassing, nachdem bereits einige Monate zuvor mit der Aufbauarbeit begonnen worden war. Vier bis acht Teilnehmer kämpften in den ersten 16 Jahren gemeinsam gegen ihre Sucht. Als 2008 die damalige Gruppenleiterin zurücktrat, übernahm diese Aufgabe Regionalsprecher Manfred Hirtes aus Bad Reichenhall und musste durch eine Saure-Gurken-Zeit mit teilweise nur zwei Gruppenmitgliedern bei den damals 14-tägigen Treffen. Seit 2010 finden die Treffen wöchentlich statt. Bis zu 15 Männer und Frauen kommen derzeit regelmäßig zusammen und geben sich gegenseitig Mut für ein freies Leben ohne Abhängigkeit.

Diesen Aspekt unterstrich auch Bürgermeister Josef Flatscher in seinem Grußwort. Die Selbsthilfegemeinschaft bereite seit nunmehr 20 Jahren verschiedensten Menschen den Boden für ein neues, bewusstes und sinnvolles Leben. Wer sich jemals nur eines einzelnen Menschen in Not über längere Zeit angenommen hat, könne in etwa ermessen, was das heißt. Wenn ein Leben nach einer Suchterkrankung neu beginnen kann, entwickle sich als natürliche Folge Dankbarkeit bei dem, der das erleben darf. Es sei die Dankbarkeit für das ganz normale Leben und für das Losgelöstsein von der Gebundenheit durch die Sucht. Er selbst sei der Kreuzbundgruppe Freilassing St. Rupert für die ausdauernde, hervorragende Arbeit sehr dankbar. Verbandsvorsitzender Franz Kellermann erinnerte daran, dass die Freilassinger Gruppe auch Krisenzeiten erlebt habe. Nach dem griechischen Wortursprung bezeichne Krise aber auch einen Wendepunkt. Es gehöre viel Mut und Herzblut dazu, eine Krise zu meistern und nach vorne zu blicken. Dafür bedankte er sich besonders bei Eveline Stronk, die die Gruppe in den vergangenen zwei Jahren mit großem Engagement und Sachverstand, liebenswürdig und charmant durch manche Untiefen gesteuert habe, und Regionalsprecher Manfred Hirtes, der die Gruppe in Krisenzeiten am Leben erhalten und mitgeleitet hat. Mit Geschenken bedankte er sich bei beiden für ihr Engagement.

Mit seiner Arbeit setze der Kreuzbund da an, wo ein Mensch eine Krise erlebt. Die Unterstützung in einer Gruppe mit  Personen, die alle den gleichen schweren Weg gegangen sind, könne bei einem Neuanfang helfen. Die Mitglieder machten durch ihr Beispiel und ihre Erfahrungen anderen Mut. Möglich werde diese Arbeit aber nur durch die Unterstützung der Caritas als Träger, des Freistaats und der Kommunen.

Die Selbsthilfegruppen für Sucht jeder Art stünden gerade in der heutigen Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Sie zu meistern, sei die Aufgabe des Kreuzbundes. „Ich wünsche mir, dass überall so professionell Hilfe geleistet werden kann wie hier in Freilassing.“

Raphael Koller von der Caritas gratulierte im Namen des Trägers zum Jubiläum. Alkohol fehle bei keinem Kindergartenfest, aber wenn er zum Problem werde, werde der Betroffene stigmatisiert. Es handle sich aber nicht um einen Charakterfehler. Sucht könne jeden treffen und beschränke sich nicht auf bestimmte Berufsgruppen. Die Arbeit von Selbsthilfegruppen wie dem Kreuzbund werde immer wichtiger. 80 Prozent der Betroffenen blieben resistent, wenn sie in einer Gruppe Unterstützung erfahren. Das beweise, dass diese Art der Selbsthilfe wirksam und wichtig sei. Eine Gruppe könne aber nur gut laufen, wenn viel Engagement dahintersteckt. Und das sei in Freilassing der Fall. Koller bedankte sich dafür insbesondere bei Eveline Stronk, die darüber hinaus auch im Inn-Salzach- Klinikum eine Gruppe betreue. Die Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle, Marie-Therese Roozen, reihte sich in die Gratulanten ein und rechnete vor, wie viele ehrenamtliche Stunden in den 20 Jahren im Kreuzbund geleistet worden sind. Er sei ein wichtiges Standbein des bürgerschaftlichen Engagements und im Landkreis fast flächendeckend vertreten. Sie wünschte den Verantwortlichen der Freilassinger Gruppe ein offenes Ohr für die Menschen, die zu ihnen kommen, Geduld und Zuversicht.

Der Regionalsprecher Ost, Manfred Hirtes, bedankte sich bei Eveline Stronk für ihr Engagement. Ein geretteter Trinker sei ein Held, der es wage, gegen den Alkoholstrom zu schwimmen, zitierte er Friedrich von Bodelschwingh. Er sei kein Mensch zweiter, sondern erster Klasse. Die Mitglieder engagierten sich im Kreuzbund, weil sie Ja sagen zum Leben.

In seinem Referat schilderte Gerhard Haberzett seine Tätigkeit als Suchtberater bei der Polizei. Auch seine Kollegen seien nicht gefeit davor, die teils traumatischen Erlebnisse bei schweren Einsätzen mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln zu bekämpfen. Hier steht er Betroffenen und Familienangehörigen beratend zur Seite. Eindringlich appellierte er an seine Zuhörer, besser auf ihre Gesundheit zu achten, sich mehr zu bewegen, ausgewogen zu ernähren und sein Leben nicht vom Stress bestimmen zu lassen.

Die Freilassinger Gruppe trifft sich jeden Montag ab 19 Uhr im Gebäude Münchener Straße 18, 1. Stock. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.kreuzbund-berchtesgaden.info.