Ehrenzeichen für das Ehrenamt überreicht

Landrat Georg Grabner hat das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt an zwei Landkreis-Bewohner in einer Feierstunde im Landratsamt verliehen:
Manfred Hirtes aus Piding erhielt es für seine Tätigkeit im Rahmen der Suchtselbsthilfe und Roswitha Moderegger aus Schönau am Königssee für ihre langjährige Tätigkeit in der Selbsthilfe und im Demenzforum.
Nicht selbstverständlich sei der ehrenamtliche Einsatz, den Roswitha Moderegger und Manfred Hirtes leisten, sagte Grabner. “ Ohne Frauen und Männer wie sie, würde unsere Gesellschaft ganz anders aussehen.“  Zeit sei immerhin das Wichtigste, was Menschen hätten. Wenn man sich dann noch so intensive einer Sache widme, sei das ein „ganz besonderer Verdienst“, der finanziell nicht aufzuwiegen sei.
Manfred Hirtes ist seit Jahrzehnten in der Suchtselbsthilfe tätig: Er gehört dem Kreuzbund seit Anfang 1997 an und engagiert sich seither in der Selbsthilfegruppe Bad Reichenhall 3/Staufen. Der Kreuzbund ist eine Selbsthilfe-und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. „Ziel des Verbandes ist es, Suchtkranke zu unterstützen und ihnen den Weg aus der Sucht zu ermöglichen“, so Grabner. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen treffen sich einmal wöchentlich. In der Selbsthilfegruppe soll sowohl Motivation für Entwöhnungsbehandlungen bei Alkohol-, Drogen-oder Medikamentensucht geschaffen werden, als auch eine Begleitung für einzelne Patienten in entsprechenden Fachkliniken. Landrat Grabner sagte, das Hirtes und sein Team schon unzähligen Menschen aus schwierigen Lebenslagen geholfen hätten.
Manfred Hirtes leitet die Kreuzbund-Selbsthilfegruppe seit nunmehr 20 Jahren. Daneben hat er mehrere Jahre die Arbeit eines Arbeitskreises aus fünf Selbsthilfegruppen im näheren Umkreis koordiniert und seit 2001 die Region Ost geleitet, die rund 25 Selbsthilfegruppen umfasst. In dieser Funktion nimmt vor allem die Öffentlichkeitsarbeit eine großen Teil seiner Arbeit ein.

Unzählige Patienten motiviert
Zu Hirtes Aufgaben gehört auch etwa die Vorstellung der Selbsthilfe in unterschiedlichen Fachkliniken der Region Ost sowie die Präventionsarbeit  in Schulen. Außerdem organisierte er als Regionalsprecher die Gremiensitzungen. Er war Vertreter in psychosozialen Arbeitsgemeinschaften und anderen öffentlichen Stellen sowie Mitarbeiter im Diözesanrat des Kreuzbund Diözesanverband München und Freising. „Zudem ist Manfred Hirtes Bundesdelegierter des Kreuzbunds.  In dieser Funktion nimmt er an den jährlichen Bundesdelegiertenversammlungen teil,“ informierte Grabner. Viele der Selbsthilfegruppen im Berchtesgadener Land und Umgebung  seien wegen seines großen Engagements entstanden. Das bestehende Angebot der Suchtselbsthilfe, vor allem bei Alkoholabhängigen in der Region Ost wäre ohne seine Verdienste kaum vorstellbar gewesen. Manfred Hirtes habe unzählige Patienten motiviert, eine Entwöhnungstherapie zu beginnen. Er trage in großem Maße dazu bei, Suchtkranke nach Beendigung der Therapie bei der Führung eines suchtmittelfreien Lebens zu unterstützen, betonte Grabner.

Roswitha Moderegger engagiert sich seit knapp 40 Jahren ehrenamtlich. Im Mai 1978 hatte sie begonnen, Seniorennachmittage und Hauspflegekurse zu organisieren, die schon damals gut angenommen wurden. 1995 initiierte sie mit anderen Gruppenleitern den Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen im Berchtesgadener Land, im Jahr 2001 zur Gründung des gleichnamigen Vereins ( „Selbsthilfegruppen im Berchtesgadener Land“ ) führte.
„Durch ihr großes Engagement entstand die erste Selbsthilfekontaktstelle im Landkreis“, so Landrat Georg Grabner. Im November 2000 gründete sie zudem den Selbsthilfeverein „Alzheimer Gesellschaft Berchtesgadener Land“ und baute ihn als Vorsitzende maßgeblich auf. Ziel des Vereins ist die Förderung der Hilfen für alle von Alzheimer und anderen fortschreitenden Demenzerkrankungen  betroffenen Menschen und die Unterstützung  der an der Versorgung beteiligten Menschen. Jedes Jahr organisiert und führt sie  zudem das „Demenz-Forum“ durch, das es seit 2004 gibt. Seit 2014 umfasst die Alzheimer Gesellschaft auch den Landkreis Traunstein.

Kurse und Gesprächskreis

Moderegger organisiert auch Schulungskurse ehrenamtlicher Demenzhelfer zur Entlastung pflegender Angehöriger, wodurch diesen die „schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe näher gebracht wird“, sagte Grabner währen der Vorstellung der zu Ehrenden.
Seit Februar 2001 leitet sie außerdem einen Gesprächskreis für Angehörige mit Demenzerkrankungen in Bischofswiesen.  Neben dem persönlichen Austausch werden die Angehörigen dort durch Referenten über relevante Themen informiert. Grabner: “ Durch Roswitha Modereggers Einsatz konnte bereits vielen  Betroffenen und deren Angehörigen geholfen werden. Sie trug maßgeblich zum Gelingen der Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise im Landkreis bei.“
Das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten Horst Seehofer soll den unermüdlichen Einsatz der im Ehrenamt Tätigen auszeichnen. Landrat Grabner überreichte eine vom Ministerpräsidenten unterschriebene Urkunde sowie einen Anstecker. Bei Kaffee und Kuchen ließen die Anwesenden den Nachmittag gemeinsam ausklingen.

Erschienen im Reichenhaller Tagblatt am 21. Februar 2017