25 Jahre Hilfe durch Selbsthilfe

Es war zwar keine Feier mit statistischen Zahlen, Erfolgsaufrechnungen und nüchternen Fakten. Im Gegenteil. Der Kreuzbund Berchtesgadener Land feierte sein 25-jähriges Bestehen mit Geschichten, Gefühlen und in familiärer Atmosphäre. Jedem Gast, der am Samstag spät nachmittags nach der Feier den Saal im Pfarrheim St. Zeno in Bad Reichenhall verließ, war klar, wie wichtig es ist, dass es den Kreuzbund gibt.
Der Kreuzbund ist eine Selbsthilfe-und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. Der Kreisverband Berchtesgadener Land gehört dem Diözesanverband München und Freising an. Auf Landkreisebene ist der Kreuzbund eng an die Caritas und dort im Speziellen an die Fachambulanz für Suchtkranke gekoppelt. Die Caritas unterstützte die Jubiläumsfeier tatkräftig und leistete auch finanzielle Hilfe.
Kreuzbund-Sprecherin Eveline Stronk begrüßte die Gäste nach dem Festgottesdienst im vollen Saal und bedankte sich bei allen Helfern und Unterstützern. Den Kreuzbund gebe es im Berchtesgadener Land nun seit 25 Jahren, erklärte sie. Es gebe in den Städten und Gemeinden insgesamt 14 Gruppen für Alkoholkranke, seit drei Jahren zusätzlich eine für Spielsüchtige und seit eineinhalb Jahren auch noch eine für Essstörungen. Außerdem gibt es eine Selbsthilfegruppe für Angehörige.
Von einem vorbildlichen Einsatz für den Nächsten in Not, von segensreicher Arbeit und einem unverzichtbaren Einsatz auch in Zukunft sprach Landrat-Stellvertreter Rudolf Schaupp bei seinem Grußwort. „Sie geben mit hohem persönlichem Einsatz Halt, sie geben Kraft und ermutigen Betroffene aus diesem Teufelskreis herauszukommen.

Hirtes leitet Gruppe seit 19 Jahren

Im Rahmen der 25-Jahr-Feier verlieh Schaupp  Manfred Hirtes in Anerkennung seines langjährigen herausragenden Engagements im Bereich der Suchtselbsthilfe die Landkreismünze in Silber. Hirtes habe sich im Kreuzbund besonders verdient gemacht, betonte Schaupp. Seit 1997 leite er die Selbsthilfegruppe Bad Reichenhall Staufen, habe mehrere Jahre lang fünf Selbsthilfegruppen im näheren Umkreis koordiniert und seit dem Jahr 2001 die Region Ost geleitet, die circa 25 Selbsthilfegruppen umfasse.

Zu Hirtes Aufgaben zähle unter anderem die Selbsthilfe in Fachkliniken vorzustellen und Präventionsarbeit in den Schulen zu leisten. Neben weiteren ehrenamtlichen Aufgaben bei der Diözese und in psychosozialen Arbeitsgemeinschaften sei er beim Kreuzbund Bundesdeligierter.
„Viele der Selbsthilfegruppen im Berchtesgadener Land sind durch ihr Engagement entstanden. Das bestehende Angebot der Suchtselbsthilfe – vor allem bei Alkoholabhängigen – wäre in diesem Umfang in unserer Region ohne  ihr jahrelanges Engagement kaum vorstellbar“, so Schaupp. Hirtes nahm die Ehrung gerührt entgegen und betonte: „Das ist nicht ein Verdienst von mir alleine. Ohne Weggefährten und und ohne
Fachambulanz wäre das so nicht möglich“.
Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner gratulierte dem Kreuzbund Berchtesgadener Land  zum Jubiläum, sowohl im Namen der Stadt Bad Reichenhall als auch im Namen aller
Landkreisbürgermeister, von den Hans Feil aus Laufen der Feier beiwohnte

„Suchterkrankung kann einen Menschen und die ganze Famile massiv schädigen“, sagte er.
Dafür, dass Betroffene ihre permanente Abwärtsspirale durchbrechen können, engagieren
sich die Anwesenden, führte er weiter aus. Sie würden zeigen, dass sie erfolgreich gegen ihre Sucht angekämpft hätten. Er endete mit den Worten: „Danke für ihre hervorragende Arbeit“, und überreichte Eveline Stronk ein Kuvert mit Geld als „finanzielle Anerkennung“.

Kreuzbundvorstand Franz E. Kellermann verglich den Kreuzbund mit einem Langstreckenläufer, der einen langen Atem brauche. Auch Süchtige bräuchten diesen langen Atem, müssten lange in Therapie gehen und sollten sich dann idealerweise der Selbsthilfe anschließen. Er schilderte, dass der Kreuzbund Berchtesgadener Land von vielen Ereignissen und Veranstaltungen geprägt sei, aber auch von einem heiteren, vertrauensvollen, sachlichen und familiären Umgang.
„Diese Botschaft ist wichtig: Ihr seid dem Suchtkranken Vorbild. Ihr vermittelt ihm, dass man auch ohne Suchtmittel gut leben kann, ohne Dauerkastei, und dass man trotzdem an gesellschaftlichen Ereignissen teilnehmen kann“.
Kellermann nahm zusammen mit Caritas-Kreisgeschäftsführer Rainer Hoffmann die Ehrungen vor. Für ihre 25-jährige Mitgliedschaft – also von Beginn des Bestehens der Kreisgruppe Berchtesgadener Land an – sind dabei Johann Buchwinkler aus Freilassing, Martin Springl aus Schönau am Königssee, Paul Wimmer aus Anger und Christa Holleis aus Berchtesgaden. Sie erhielten die goldene Kreuzbundnadel und ein Urkunde.

Suchtberatung ohne Selbsthilfe ist nicht möglich

Rainer Hoffman betonte, dass eine Suchtberatung ohne Selbsthilfe nicht funktionieren könne.Die Gefahr sei groß, wieder in die Sucht hineinzurutschen, wenn der Kontakt zur Selbsthilfe verloren gehe. Hoffmann bedankte sich bei den Anwesenden für ihren langen Atem und ihre Geduld, die notwendig sei, um neue Gruppen zu starten. Er dankte zusammen mit Rafael Koller von der Fachambulanz allen anwesenden ehemaligen und aktiven Gruppenleitern mit einer Rose. Eveline Stronk erhielt von ihm einen Blumenstrauß für die Organisation der Veranstaltung und ihre „ständige viele Arbeit hinter den Kulissen“.
Auch Rafael Koller bedankte sich beim Kreuzbund für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und wies darauf hin, dass der Kreuzbund Berchtesgadener Land im ganzen Bundesgebiet der einzige mit einer Gruppe für Essstörungen und einer von wenigen mit einer Gruppe für Spiellsucht sei. „Das unterstreicht die Aktivität im Berchtesgadener Land“.
Bei einer Interviewrunde mit drei Suchtbetroffenen kam noch einmal deutlich zutage, wie schwer eine Sucht das Leben beeinträchtigen kann, und wie wichtig es ist, diesen Menschen zu helfen, wie es Kreuzbund und Caritas tun. Hias Häusler, seine Tochter Elisabeth und der Scharf Michi, alle aus Piding, umrahmten die Veranstaltung musikalisch. 

Erschienen am 24. Oktober 2016 im Reichenhaller Tagblatt
geschrieben von Tanja Weichold

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